Sonntag, 10. Juni 2012
Samstag, 9. Juni 2012
Er hat
viel geredet und immer als ob’s halb im Scherz wäre, aber im bittern Scherz
herrliche Sachen gesagt über Kunst, Epigramme, Elegisches, Improvisiren, Liebe
als Mittel zum Zweck, über Hoffnung,
die in ihm erstorben ist ... ich ergrimmte über sein Wegwerfen der Erinnerung, „die Gegenwart ist die
einzige Göttin, die ich anbete,“ sagte er - über seinen Unglauben an
intellektuelle Freundschaft. „Freundschaft werde durch Verhältnisse genährt“
...
Freitag, 8. Juni 2012
GRAF. Erkläre dich näher.
RITTER. Du weißt besser als ich selbst, was
ich zu sagen habe. In jedes gute Herz ist das edle Gefühl von der Natur gelegt,
daß es für sich allein nicht glücklich sein kann, daß es sein Glück in dem Wohl
der andern suchen muß. Dieses schöne Gefühl weißt du in den Schülern des ersten
Grades zu erregen, zu stärken, zu beleben! – Und wie nötig ist es, uns zum
Guten Mut zu machen! Unser Herz, das von Kindheit an nur in der Geselligkeit
sein Glück findet, das sich so gern hingibt und nur dann am höchsten und reinsten
genießt, wenn es sich für einen geliebten Gegenstand aufopfern kann – ach!
dieses Herz wird leider durch den Sturm der Welt aus seinen liebsten Träumen
gerissen! Was wir geben können, will niemand nehmen; wo wir zu wirken streben,
will niemand helfen; wir suchen und versuchen und finden uns bald in der
Einsamkeit.
GRAF nach einer Pause. Weiter, mein Sohn.
RITTER. Und was noch
schlimmer ist, mutlos und klein. Wer beschreibt die Schmerzen eines verkannten,
von allen Seiten zurückgestoßenen menschenfreundlichen Herzens? Wer drückt die
langen, langsamen Qualen eines Gemüts aus, das, zu wohltätiger Teilnehmung
geboren, ungern seine Wünsche und Hoffnungen aufgibt und sich doch zuletzt
derselben auf ewig entäußern muß? Glücklich, wenn es ihm noch möglich wird,
eine Gattin, einen Freund zu finden, denen er das einzeln schenken kann, was
dem ganzen Menschengeschlechte zugedacht war; wenn er Kindern, wenn er – Tieren
nützlich und wohltätig sein kann!
Samstag, 26. Mai 2012
Freitag, 25. Mai 2012
Goethe zeigte mir
einen eleganten grünen Lehnstuhl, den er dieser Tage in einer Auktion sich
hatte kaufen lassen.
»Ich werde ihn jedoch wenig oder gar nicht gebrauchen,« sagte er, »denn alle Arten von Bequemlichkeit sind eigentlich ganz gegen meine Natur. Sie sehen in meinem Zimmer kein Sofa; ich sitze immer in meinem alten hölzernen Stuhl und habe erst seit einigen Wochen eine Art von Lehne für den Kopf anfügen lassen. Eine Umgebung von bequemen geschmackvollen Meublen hebt mein Denken auf und versetzt mich in einen behaglichen passiven Zustand. Ausgenommen, daß man von Jugend auf daran gewöhnt sei, sind prächtige Zimmer und elegantes Hausgeräte etwas für Leute, die keine Gedanken haben und haben mögen.«
»Ich werde ihn jedoch wenig oder gar nicht gebrauchen,« sagte er, »denn alle Arten von Bequemlichkeit sind eigentlich ganz gegen meine Natur. Sie sehen in meinem Zimmer kein Sofa; ich sitze immer in meinem alten hölzernen Stuhl und habe erst seit einigen Wochen eine Art von Lehne für den Kopf anfügen lassen. Eine Umgebung von bequemen geschmackvollen Meublen hebt mein Denken auf und versetzt mich in einen behaglichen passiven Zustand. Ausgenommen, daß man von Jugend auf daran gewöhnt sei, sind prächtige Zimmer und elegantes Hausgeräte etwas für Leute, die keine Gedanken haben und haben mögen.«
Man
spricht immer viel von Aristokratie und Demokratie, die Sache ist ganz einfach
diese: In der Jugend, wo wir nichts besitzen oder doch den ruhigen Besitz nicht
zu schätzen wissen, sind wir Demokraten. Sind wir aber in einem langen Leben zu
Eigentum gekommen, so wünschen wir dieses nicht allein gesichert, sondern wir
wünschen auch, daß unsere Kinder und Enkel das Erworbene ruhig genießen mögen.
Deshalb sind wir im Alter immer Aristokraten ohne Ausnahme, wenn wir auch in
der Jugend uns zu anderen Gesinnungen hinneigten. Leo spricht über diesen Punkt
mit großem Geiste.
Sonntag, 20. Mai 2012
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