Dienstag, 20. Dezember 2011

Gegenwärtig füge nur die Bitte hinzu, Ew. Hochwohlgeboren mögen sich eifrigst verwenden, daß Vorstehendes, wenn auch seltsam scheinend, jedoch aus den eigensten Zuständen und treusten Gesinnungen hervorgegangen, zu ruhiger Stunde von unsern höchsten Herrschaften gnädigst nachsichtig aufgenommen werden möge.
Ein baldiges frohes Wiedersehen hoffend, unterzeichne mich in vorzüglichster Hochachtung.

Da Beyliegendes, in den ersten Tagen meines Hierseyns Verfaßtes, zum Absenden bereit mir vor Augen liegt, darf ich Ew. Hochwohlgeboren nicht verbergen daß ein Zweifel mich beunruhigt: ob es denn auch schicklich sey, den Monolog des wunderlich nachsinnenden Einsiedlers zu einer Epoche darzubringen, wo Hof und Land sich in lebendigster Theilnahme bewegen.
Indessen, da es noch ungehöriger seyn müßte zu schweigen, so gebe diese Blätter Ew. Hochwohlgeboren zutraulich in die Hände, ganz Dero Beurtheilung überlassend, ob Dieselben vorerst nur den Inhalt und sodann später das Ausführlichere geziemend vorlegen wollen. Freundschaftlichem einsichtigen Ermessen eine dem Augenblick anpaßliche Behandlung völlig anheimgebend.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Freitag, 9. Dezember 2011

»Von allen Geistern, die ich jemals angelockt, .... fühl' ich mich rings umsessen, ja umlagert.«
Die Fähigkeit, vom Besondern schnell zum Allgemeinen aufzusteigen, das scheinbar Getrennte zu verknüpfen und für jede abweichende Erscheinung die befriedigende Formel der Gesetzmäßigkeit aufzufinden, hat nicht leicht ein Sterblicher in höherem Grade besessen. Daher denn auch bei jedem Naturstudium ihm leicht und ungezwungen ein Apperçu entgegenkam – oder, wie er es ausdrückte: das Gewahrwerden einer großen Maxime eintrat, die ihr Licht urplötzlich über seine Forschungen ausgoß.»Ich lasse« – hörte ich ihn einst sagen – »die Gegenstände ruhig auf mich einwirken, beobachte dann diese Wirkung und bemühe mich, sie treu und unverfälscht wiederzugeben; dies ist das ganze Geheimniß, was man Genialität zu nennen beliebt.«

»Wer mit zweiundzwanzig Jahren den ›Werther‹ schrieb« – hörte ich ihn öfters sagen, wenn er zu verstehen geben wollte, daß er »eben doch keine Katze« sei.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Dienstag, 6. Dezember 2011

Nichts ... regte ihn innerlich stärker auf, als die Selbstgefälligkeit, womit eingebildete, obschon übrigens talentvolle Personen bei Betrachtung eines Kunstwerks oder sonst einer vortrefflichen Arbeit diese dadurch zu loben meinten, daß sie ausriefen: das sehe ganz so aus, als wenn sie es gemacht hätten; oder: das könnten sie wohl auch gemacht haben. Da wurde denn hinterher im Kreise der Vertrauten eine solche Person mit einem Frankfurter Provinzialismus »ein Schnudelputz« genannt.
Er suchte die göttliche Ruhe in sich herzustellen und so ging sie aus seinem Herzen in die Schöpfungen seines Geistes über. Wie sehr sie gleichwohl nur in der dichterischen Stimmung den reinen unbewegten Spiegel bildete, in welchem die Welt mit ihren Objecten sich einstrahlte, in dem Treiben und Toben des Lebens aber zu schwanken und ihr Gleichgewicht zu verlieren drohte, und daher der Sicherstellung bedurfte, zeigte die ihm fast zur Gewohnheit gewordene Ermahnung: »Ruhig, ruhig! nur Ruhe!« die er andern zurief, oft wenn sie noch oder schon ruhig waren, sodaß sie zugleich die lautgewordene innerliche Selbstaufforderung zu gelassenem und besonnenem Verfahren zu sein schien.