Montag, 3. Oktober 2011

„Ich sehe immer mehr,“ fuhr Goethe fort, „daß die Poesie ein Gemeingut der Menschheit ist, und daß sie überall und zu allen Zeiten in Hunderten und aber Hunderten von Menschen hervortritt. Einer macht es ein wenig besser als der andere und schwimmt ein wenig länger oben als der andere, das ist alles. Der Herr von Matthisson muß daher nicht denken, er wäre es, und ich muß nicht denken, ich wäre es, sondern jeder muß sich eben sagen, daß niemand eben besondere Ursache habe, sich viel darauf einzubilden, wenn er ein gutes Gedicht macht. Aber freilich, wenn wir Deutschen nicht aus dem engen Kreise unserer eigenen Umgebung hinausblicken, so kommen wir gar zu leicht in diesen pedantischen Dünkel. Ich sehe mich daher gern bei fremden Nationen um und rate jedem, es auch seinerseits zu tun. Nationalliteratur will jetzt nicht viel sagen, die Epoche der Weltliteratur ist an der Zeit und jeder muß jetzt dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen.
„Ein solches Talent wie Béranger,“ sagte ich, „würde an sittlichen Stoffen nichts zu tun finden.“ „Sie haben recht,“ sagte Goethe, „eben an den Verkehrtheiten der Zeit offenbart und entwickelt Béranger seine bessere Natur.“ „Aber,“ sagte ich, „ist denn dieser chinesische Roman vielleicht einer ihrer vorzüglichsten?“ „Keineswegs,“ sagte Goethe, „die Chinesen haben deren zu Tausenden und hatten ihrer schon, als unsere Vorfahren noch in den Wäldern lebten.“

Dienstag, 20. September 2011

Freitag, 16. September 2011

Der alte Meyer ist klug, sehr klug, aber er geht nur nicht heraus, widerspricht mir nicht, das ist fatal. Ich bin sicher, im Innern ist er noch zehnmal zum Schimpfen geneigter als ich und hält mich noch für ein schwaches Licht. Er sollte nur auch poltern und donnern.
Das ist es freilich, worauf es ankommt; aber das ist eben auch das Schwere, dass unsere bessere Natur sich kräftig durchhalte und den Dämonen nicht mehr Gewalt einräume als billig.
Je höher ein Mensch, desto mehr steht er unter dem Einfluss der Dämonen, und er muss nur immer aufpassen, dass sein leitender Wille nicht auf Abwege gerate.

Samstag, 10. September 2011

Sie
Wie schön und wie herrlich, nun sicher einmal
Im Herzen des Liebsten regieren!

Sonntag, 4. September 2011

Du hast recht wohl gethan an meine Mutter zu schreiben, sie wird es ja wohl lesen können. Sie ist dir recht gut denn ich habe ihr erzählt wie du so brav bist und mich so glücklich machst.
Man kommt durch ein schmales Thal, zwischen eingezäunten Matten, und endlich auf die schöne, völlig ebene Fläche, worauf Stanz, nicht zu nahe von hohen Bergen umgeben, liegt. Wir traten im Gasthof zur Krone ein, welcher der Kirche gegenüber auf einem hübschen Platze liegt. In der Mitte steht ein Brunnen, aus dem der alte Winkelried mit den Speeren im Arm gestellt ist. Nikolaus von der Flüe hing in der Stube. Auf gemahlten Fensterscheiben waren über verschiedenen Wappen die Hauptmomente der Schweizer Chronik aufgezeichnet. Wir lasen in einem Buche: Kleiner Versuch einer besondern Geschichte des Freystaats Unterwalden. Lucern 1789. In der Dedikation der sonderbare Titel: Helvetisch großmächtige.

Samstag, 3. September 2011