Donnerstag, 2. Oktober 2008

... denn seine Gleichgültigkeit ohne Heiterkeit und dass er schon so ganz mit den Menschen abgerechnet hat, ist mir schrecklich.
Das Glück hat ihn verzogen und die Weiber. Er hat geschwelgt, ohne zu geniessen, genommen ohne zu geben, ob je in seinem Herzen der reine Ton der Liebe wieder erklingen wird? Er hat viel geredet und immer als ob’s halb im Scherz wäre, aber im bittern Scherz herrliche Sachen gesagt über Kunst, Epigramme, Elegisches, Improvisieren, Liebe als Mittel zum Zweck, über Hoffnung, die in ihm erstorben ist, von seiner äussersten Empfänglichkeit durch Phantasie bei Gelegenheit der Kupfer zu Wielands Werken.
Wenn sie vor dem Druck in die Hände mehrerer Freunde gegeben worden, so würde man vielleicht den Autor vermocht haben, einige zu rüstige Gedanken, die er wörtlich ausgedrückt hat, bloss erraten zu lassen; andere in geschmeidigeren Wendungen mitzuteilen, noch andere ganz zu unterdrücken.

Donnerstag, 25. September 2008

In einem alle Freitage sich versammelnden Abendzirkel für den Winter zwischen 1794 und 1795 wurde beschlossen, jedesmal einen Gesang der Ilias nach Voss vorzulesen und sich dann die dabei von selbst kommenden Bemerkungen mitzuteilen. Goethe ist Vorleser.

Samstag, 20. September 2008

Dienstag, 16. September 2008

Ich bringe die meiste Zeit des Tages mit Goethen zu, sodaß ich bei meinem langen Schlafen kaum für die nöthigsten Briefe noch Zeit übrig habe. Vor einigen Tagen waren wir von halb 12, wo ich angezogen war, bis nachts um 11 Uhr ununterbrochen beisammen. Er las mir seine Elegien, die zwar schlüpfrig und nicht sehr decent sind, aber zu den besten Sachen gehören, die er gemacht hat.

Sonntag, 14. September 2008

Der Mund ist sehr schön, klein, und ausserordentlicher Biegungen fähig; nur entstellen ihn, wenn er lächelt, seine gelben, äusserst krummen Zähne.

Mittwoch, 10. September 2008

Beim erneuerten Studium Homers empfinde ich erst ganz, welches unnennbare Unheil der jüdische Prass uns zugefügt hat. Hätten wir die Sodomitereien und ägyptisch-babylonischen Grillen nie kennen lernen, und wäre Homer unsere Bibel geblieben, welch eine ganz andere Gestalt würde die Menschheit dadurch gewonnen haben!
Diese Vulpius ist übrigens eine kleine unansehnliche Person, die mit dem so wohl gewachsenen, männlich schönen Goethe (man sehe das äußerst wohlgeratene Porträt von Lips) nicht wenig kontrastiert.

Montag, 8. September 2008