Mittwoch, 10. September 2008

Diese Vulpius ist übrigens eine kleine unansehnliche Person, die mit dem so wohl gewachsenen, männlich schönen Goethe (man sehe das äußerst wohlgeratene Porträt von Lips) nicht wenig kontrastiert.

Montag, 8. September 2008

Mittwoch, 3. September 2008

Goethe erzählte mir, dass Schiller mit unsäglicher Anstrengung arbeite. ... Die übergrosse Anstrengung, mit der Schiller arbeitete, glaubte er auch in seinen flüchtigsten hingeworfenen Stücken zu entdecken. Selbst in den Briefen über den Don Carlos im Teutschen Merkur sähe man die Schweisstropfen hängen, die sie dem Verfasser gekostet. Wie Goethe glaubte, sei der Kampf, den Schwärmerei, Vernunft und Einbildungskraft, die in der Seele dieses Dichters gekämpft, mit unverkennbaren Zügen in seinem Gesicht eingegraben, und daraus entstehe in demselben die sonderbare Mischung von Schwermut, Freundlichkeit, Ernst und Zerstreuung. Kurz, auf ihn passe ganz, was er einst in seinen Werken zur Charakterisierung eines Dritten sagt: „In seine Phantasienwelt verschlossen, war er ein Fremdling in der wirklichen. Sein Körper mitten aus der Zerrüttung hervor verrät einen hohen männlichen Geist, gleich den Ruinen eines ehrwürdigen alten Tempelgebäudes. Ihr ahnt aus dem Schauer der Ehrfurcht, der eure Seele ergreift, dass einst eine Gottheit hier wohnte; aber erkennen könnt ihr es jetzt nur aus Trümmern und Ueberbleibseln, die der Zahn der alles zerstörenden Zeit verschonte.“
Noch sprach Goethe viel von Italien … Die Luft ist lauer, reiner; der Himmel blauer und unbewölkter; die Gesichter offen, freundlich und lachender … Alles scheint zum lieblichen Genusse einzuladen, und Natur und Kunst bieten sich wechselseitig die Hand. Nirgends oder selten finden Sie in Italien solche zurückstossende kolossale Gestalten wie in unseren Gegenden; nirgends so verkrüppelte und zusammengeschrumpfte Figuren. In unseren Gesichtern verlaufen die Züge regellos durch- und ineinander, oft ohne irgendeinen Charakter anzudeuten, oder es hält wenigstens schwer, das Original herauszufinden; man kann sagen, in einem deutschen Gesichte ist die Hand Gottes unleserlicher als auf einem italienischen. Bei uns ist alles verkritzelter, und selten selbst in der Form etwas Vollendetes. Kopf und Hals scheinen bei jenen Menschen gleichsam unmerklich ineinander gefugt; bei uns sind sie grösstenteils eingeschoben oder gar aufgestülpt. Die sanft geblähte Brust schwellt allmählich in ihren Umrissen; nicht solche kugel- und muskelhafte Massen von Fleisch, die das Auge mehr beleidigen als einladen.
Sein Mädchen ist eine ziemlich berüchtigte Mamsell Vulpius.

Dienstag, 2. September 2008

Er hat die junge Vulpius zu seinem Clärchen, und lässt sie oft zu sich kommen etc. Sie verdenkt ihm dies sehr.
Dieser Mensch, dieser Goethe ist mir einmal im Wege, und er erinnert mich so oft, dass das Schicksal mich hart behandelt hat. Wie leicht ward sein Genie von seinem Schicksal getragen, und wie muss ich bis auf diese Minute noch kämpfen!
Er kommt sich daher oft so einsam vor, weil er sich zu gross fühlt, und ich glaube, dies kann ihm trübe Augenblicke machen, deren er viele hat.
Nur nichts als Profession getrieben! Das ist mir zuwider. Ich will alles, was ich kann, spielend treiben, was mir eben kommt und solange die Lust daran währt. So hab ich in meiner Jugend gespielt, unbewusst; so will ich's bewusst fortsetzen durch mein übriges Leben.
Was für eine Abgeschmacktheit, Goethen das Aufgeben seiner Liebesverhältnisse für Entsagungen anzurechnen. Der hat ihn nicht recht gekannt. Entsagen wäre ihm gewesen: sie heiraten.