Samstag, 7. Juni 2008
Freitag, 6. Juni 2008
Donnerstag, 5. Juni 2008
Als ich ihn zu täglichen Spazierfahrten antrieb, sagte er: „Mit wem soll ich fahren, ohne Langeweile zu empfinden? Die Staël hat einst ganz richtig zu mir gesagt: Il vous faut de la séduction.“ Und als ich Ottilien und Ulriken anführte, erwiderte er: „Wen man täglich von früh bis Abend sieht, der kann uns nicht mehr verführen. Ja, ich bin wohl und heiter heimgekehrt, drei Monate lang habe ich mich glücklich gefühlt, von einem Interesse zum anderen, von einem Magnet zum anderen gezogen, fast wie ein Ball hin und her geschaukelt, aber nun - ruht der Ball wieder in der Ecke, und ich muss mich den Winter durch in meine Dachshöhle vergraben und zusehn, wie ich mich durchflicke!“
„Sie wissen“, sagte er, „wie ich alles Extemporisieren hasse, vollends eine Verlobung oder Heurat aus dem Stegreife war mir von jeher ein wahrer Greuel. Eine Liebe kann wohl im Nu entstehen, und jede echte Neigung muss irgend einmal gleich dem Blitze plötzlich aufgeflammt sein; aber wer wird sich denn gleich heuraten, wenn man liebt? Liebe ist etwas Ideelles, Heuraten etwas Reelles, und nie verwechselt man ungestraft das Ideelle mit dem Reellen. Solch ein wichtiger Lebensschritt will allseitig überlegt sein und längere Zeit hindurch, ob auch alle individuellen Beziehungen, wenigstens die meisten, zusammenpassen? Übrigens ist Rehbeins Heuratsgeschichte so wunderbar, dass offenbar die Dämonen sich eingemischt haben, und da hütete ich mich, dagegen zu sprechen, ob ich gleich innerlich wütend war.“
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