Donnerstag, 5. Oktober 2006

 

Niemand wird sich selber kennen,
Sich von seinem Selbst-Ich trennen;
Doch probier er jeden Tag,
Was nach außen endlich, klar,
Was er ist und was er war,
Was er kann und was er mag.

Es herrscht eine allgemeine Stille hier, oder wie die Herzogin-Mutter letzt sagte: sie schlafen alle. Goethe besucht uns oft wie ein Stern in der Nacht.

Mittwoch, 4. Oktober 2006

„Haben Sie auch schon geliebt?“ - „Ich kann es nicht leugnen. In einem Alter von 21 Jahren kam ich in die Nähe einer schönen Witwe, für die sich alle Gefühle in mir regten; - aber Verhältnisse hinderten mich, in jeder Rücksicht ihr meine Zuneigung zu gestehen. Ich verehrte sie, und nur in ihrer Gegenwart befand ich mich wohl; aber – ich sah die Unmöglichkeit, ihr die Unruhe meines Herzens zu offenbaren.“ - „War sie schön?“ – „So fand ich sie, und man sagte mir, dass sie in ihrem unverheirateten Stande das schönste Mädchen in der ganzen Umgebung gewesen wäre.“ - „Wissen Sie wohl, dass das Herz Geheimnisse hat, wovon der Verstand nichts weiss?“ - „Das habe ich schon öfters eingesehen, aber nicht mit Worten auszudrücken verstanden.“ - „Wissen Sie: le paradis est pour les âmes tendres, et condamnés sont ceux qui n’aiment rien.“

Sonntag, 1. Oktober 2006

 Unaufhörlich finden wir den Dichter, wie er mit Locken spielt.

Donnerstag, 20. Juli 2006

 

Mein Herr Magister, hab Er Kraft!

Sei Er kein schellenlauter Tor!

Dienstag, 18. Juli 2006

 

Diesen Nachmittag will ich suchen bey Zeit von Hof abzukommen, ich komme zu dir hinüber.

Sonntag, 16. Juli 2006

 

Bei den Prinzen hängt alles davon ab, daß sie es sich zur Gewohnheit machen, nie zu vergessen, daß sie Menschen sind, und daß sie folglich überall ihresgleichen sehen. Seine Durchlaucht, der Prinz wird sehen, daß der wahre Ruhm eines Herrschers darin besteht, sich selbst gut beherrschen zu wissen, und sein Land gut zu beherrschen, all seine Pflichten zu erfüllen, sein Volk so glücklich wie möglich zu machen.   -   Wieland an Herzogin Anna Amalia

Samstag, 15. Juli 2006

Dieser wisse fast alle seine Werke auf den Nagel herzusagen, denn, setzte er hinzu, es sind Emanationen seines Ichs, das er unbeschränkt lieb hat.

Montag, 10. Juli 2006

 

Und fragst du noch, warum dein Herz

Sich inn in deinem Busen klemmt?

Warum ein unerklärter Schmerz

Dir alle Lebensregung hemmt?

Statt all der lebenden Natur,

Da Gott die Menschen schuf hinein,

Umgibt in Rauch und Moder nur

Dich Tiergeripp und Totenbein.

Mittwoch, 21. Juni 2006