Wer
lebenslang dir wohlgetan,
Verletzung
rechne dem nicht an.
Und kurz darauf jene zwei Wörter, die seine berühmtesten sind: Mehr
Licht! Aber tatsächlich hat Goethe als Letztes nicht Mehr Licht,
sondern Mehr nicht! gesagt. Nur Riemer und ich – und Kräuter –
waren dabei anwesend. Wir, Riemer, Kräuter und ich einigten uns darauf, der
Welt mitzuteilen, Goethe habe Mehr Licht gesagt als
Letztes und nicht Mehr nicht! An dieser Lüge als
Verfälschung leide ich, nachdem Riemer und Kräuter längst daran gestorben sind,
noch heute.
So zeigte sich diese junge, unerklärliche Person, die mich ganz eingenommen hatte, binnen zwei Jahren, die es ihr gefiel bei uns zu verweilen, bis sie mit einer Torheit schloß, die viel seltsamer ist, als ihre Eigenschaften ehrwürdig und glänzend waren. Mein Sohn, jünger als ich, wird sich trösten können; was mich betrifft, so fürchte ich, schwach genug zu sein, sie immer zu vermissen.
Der junge Revanne hörte noch zu, da sie schon ausgesprochen hatte. Er stand wie vom Blitz getroffen; Tränen öffneten zuletzt seine Augen, und in dieser Rührung lief er zur Tante, zum Vater, ihnen zu sagen: Mademoiselle gehe weg, Mademoiselle sei ein Engel, oder vielmehr ein Dämon, herumirrend in der Welt, um alle Herzen zu peinigen. Aber die Pilgerin hatte so gut sich vorgesehen, daß man sie nicht wiederfand. Und als Vater und Sohn sich erklärt hatten, zweifelte man nicht mehr an ihrer Unschuld, ihren Talenten, ihrem Wahnsinn. So viel Mühe sich auch Herr von Revanne seit der Zeit gegeben, war es ihm doch nicht gelungen, sich die mindeste Aufklärung über diese schöne Person zu verschaffen, die so flüchtig wie die Engel und so liebenswürdig erschienen war.
Die
Frage Wilhelms: wann man ihm aufwarten könne? ward durch die Nachricht
beantwortet: der Herr sei, nach seiner Gewohnheit, ganz früh weggeritten. Er
pflege zu sagen: Aufmerksamkeit ist das Leben! – Sie werden diesen und andere
Sprüche, in denen er sich bespiegelt, in den Feldern über den Türen
eingeschrieben sehen, wie wir hier zum Beisüpiel gleich antreffen: Vom Nützlichen durchs Wahre zum Schönen.