Seit drey Wochen,
wie ich schon geklagt habe, von katarrhalischen Unbilden und dem
widerwärtigsten Wetter niedergehalten, hab ich mich denn doch immer, wie dir
auch angenehm zu hören seyn wird, dergestalt zu fassen und zu wehren gesucht,
daß ich Tag vor Tag nicht nachgab, sondern fort und fort das Nächste zu fördern
trachtete, so daß ich durch diese Hindernisse nicht zurückgehalten ward,
sondern vorwärts gegangen bin und zwar in bedeutenden Angelegenheiten, wo man,
wenn auch nicht große, nur sichre Schritte zumachen hat. Darunter ist denn auch
einiges, das, wenn es dir seiner Zeit vor die Seele gebracht wird, dich nicht
ohne Anregung lassen kann.
Sonntag, 10. Juni 2018
Wie es die Welt jetzt
treibt, muß man sich immer und immerfort sagen und wiederholen: daß es tüchtige
Menschen gegeben hat und geben wird, und solchen muß man ein schriftlich gutes
Wort gönnen, aussprechen und auf dem Papier hinterlassen. Das ist die
Gemeinschaft der Heiligen, zu der wir uns bekennen. Mit den Lippen mag ich nur
selten ein wahres, grund-gemeyntes Wort aussprechen; gewöhnlich hören die
Menschen etwas Anderes, als was ich sage, und das mag denn auch gut seyn.
Der
Maler Charles Gore war ein leidenschaftlicher Sammler von Autogrammen. Eines
Tages kam er auf den Gedanken, doch einmal alle Unterschriften von berühmten
Leuten auf einem Blatt zu sammeln. Er ging zunächst zu Johann Gottfried Herder.
Dieser schrieb:
„Die
Erde ist ein Jammertal“.
Dann
wandte er sich an Friedrich Schiller. Er las den Spruch und setzte ihn
sinngemäss fort:
„Voller
Narren und Toren.“
Auch
Goethe folgte seinem Wunsch. Er schrieb:
„Wo
Sie der allergrösste sind,
Mein lieber Herr von Goren.“
Mein lieber Herr von Goren.“
Donnerstag, 31. Mai 2018
Mittwoch, 30. Mai 2018
1818
kurte Goethe vom 26. Juli bis 13. September in Karlsbad. Goethes Diener Karl
erhielt am 17. August den Auftrag, 2 Flaschen Wein zu besorgen und diese mit
Gläsern an den beiden Fenstern seiner Unterkunft aufzustellen. Der getreue
Diener tat, wie ihm geheissen war. Bei jedem Rundgang durchs Zimmer trank
Goethe den Wein. Nach geraumer Zeit trat Goethes Hausarzt Wilhelm Rehbein, der
ihn zur Kur begleitete hatte, ins Zimmer, und Goethe sagte zu ihm: „Ihr seid
mir ein schöner Freund! Was für einen Tag haben wir heute und welches Datum?“
Rehbein antwortete: „Der 27. August.“ Der Dichterfürst wollte dies nicht
glauben, er war der Meinung, es sei schon der 28. August, sein Geburtstag. Auch
der herbeigeklingelte Diener Karl sagte, es sei der 27. August. Als Goethe
schliesslich in einem Kalender nachsah und das von den beiden richtig erwähnte
Datum bestätigt fand, sagte Goethe: „Donnerwetter! Da habe ich mich ja umsonst
besoffen.“
Freitag, 25. Mai 2018
Als Goethe 1806 in Karlsbad zur Kur weilte, kam er eines Morgens von
einem Spaziergang zurück und sagte: «Man stößt in der Welt immer und
allenthalben auf unsaubere Geister, da habe ich von fern einen Mann
vorbeirutschen gesehen, der Kerl hat mich ordentlich erschreckt; ich glaubte
den leibhaftigen Böttiger (Karl August Böttiger, 1760-1835, Archäologe,
Direktor des Gymnasiums in Weimar, wegen Indiskretionen und Beleidigungen
Goethe verhasst) erblickt zu haben.»
«O», erwiderte der Freund Graf Geßler, «Ihre Augen haben sich da nicht
versehen, Sie haben wirklich den Leibhaftigen gesehen.» Bei diesen Worten rief
Goethe aus, wie einer, der von einem Schrecken wieder aufatmet: «Gottlob,
gottlob, das Gott nicht ein zweites solches Arschgesicht geschaffen hat.»
Am 2. März 1808 ereignete sich bei der Aufführung der Kleistschen
Komödie «Der zerbrochene Krug» auf dem kleinen Hoftheater in Weimer etwas
höchst Ungewöhnliches. Ein herzoglicher Beamter wagte es, das Stück in
Anwesenheit des Herzogs Karl August und seiner Gemahlin auszupfeifen. Karl
August, der seinen Platz auf dem sogenannte bürgerlichen Balkon hatte, bog sich
über die Brüstung hinaus und rief: «Wer ist der freche Mensch, der sich
untersteht, in Gegenwart meiner Gemahlin zu pfeifen? Husaren, nehmt den Kerl
fest!» Dies geschah.
Montag, 14. Mai 2018
„Überhaupt“, meldet einer, der ihn oft sah, „war er heute in jener
bitter-humoristischen Stimmung und sophistischen Widerspruchsart, die man so
oft an ihm wahrnimmt.“ Da haben wir abermals die Negation, die Bosheit, den
Widerspruchsgeist, die Medisance, von der der junge, sanfte Sulpiz Boisserée in
seinem Tagebuch ein Lied zu singen weiß. „Um elf Uhr bin ich wieder bei Goethe,
Das Lästern geht wieder an.“ Es geht her über Politisches, Ästhethisches,
Gesellschaftliches, Religiöses, Deutschland, Frankreich, Philhellenismus,
Parteiwesen und so fort, in einem Stil, daß sich der arme Boiserée „mit allen
diesen moquanten Reden zuletzt wie auf dem Blocksberge vorkommt“.
Abonnieren
Posts (Atom)
