Freitag, 10. April 2009
Es gibt Tugenden, die man, wie die Gesundheit, nicht eher schätzt, als bis man sie vermisst; von denen nicht eher die Rede ist, als wo sie fehlen; die man stillschweigend voraussetzt; die dem Inhaber nicht zugute kommen, weil sie in einem Leiden, in der Geduld bestehen. Sie scheinen, wo sie sind, nur aus einer Abwesenheit von Kraft und Tätigkeit zu bestehen, und sie sind die höchste Kraft, nur nach innen gewandt, und zur Abwehr äusseren Unglimpfs, nur als Gegendruck gebraucht. Hammer zu sein, scheint jedem rühmlicher und wünschenswerter, als Amboss, und doch was gehört nicht dazu, diese unendlichen, immer wiederkehrenden Schläge auszuhalten!
Ich habe ihn in dieser Zeit ziemlich oft gesehen, und wie kraftlos und ernst ist sein Wesen. Seine Philistrosität, die der prophetische Novalis durch die verschlungenen Gewebe des „Wilhelm Meister“ deutlich erkannt hatte, kommt immer mehr zu Tage, wovon der „Rameau“ – Du kennst ihn gewiss schon – ein treffender Beweis ist.
Mittwoch, 8. April 2009
Goethe erklärte, er habe niemals über die Theorien der Poesie anhaltend und ernst nachgedacht; von allen seinen poetischen Werken sei keines mit klarem Verstande dessen, was gemacht werden solle und müsse, sondern bloss durch ein Gefühl, eine Ahnung, das sei das Rechte, entstanden, ohne weiteres Räsonnement darüber.
Montag, 6. April 2009
Freitag, 3. April 2009
Die Natur hat offenbar gewollt, daß wir nicht eben unsre körperlichen Kräfte in dem Grade des natürlichen Zustandes erhalten sollten, daß wir schwächer werden sollten, ohne doch darum einzubüßen; denn sie hat uns in der menschlichen Gesellschaft, im Zusammenleben und in der Gewalt des Verstandes eine Stärke zubereitet, die alle Stärke der wildesten Thiere übertrifft. Und gewisse Operationen des Geistes gelingen nicht anders, als bei einer zarteren Organisation.
In Weimar selbst, welch ein verwunschenes Verhältnis des Sohnes zwischen diesem Vater und dieser Mutter. Die Mademoiselle hilft sich, und nennt den Sohn August; aber wie soll der Sohn die Mademoiselle anreden? – Die ganze Haushaltung, wie sie jetzt besteht, ist ungereimt, und muss jedem weh tun, diesem so jenem anders. Darüber sind sich alle eins, dass Goethe diese gemeine Natur nicht heiraten kann …
Dienstag, 31. März 2009
Seine äusserliche Lage, wie er sie hat werden lassen, wie das Schicksal sie gemacht hat, im einzelnen und im ganzen Zusammenhange, ist so, dass er unmöglich glücklich sein kann. Dass er heraus muss, fühlt er selbst. Aber in welche neue nun hinein? Hier ist so vieles zu schlichten und guter Rat teuer.
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