Donnerstag, 10. Oktober 2013
Und nun sizz ich dir
gute Nacht zu sagen. Mir wars in all dem wie einer Ratte die Gift gefressen
hat, sie läuft in alle Löcher, schlurpft alle Feuchtigkeit, verschlingt alles
Essbaare das ihr in Weeg kommt und ihr innerstes glüht von unauslöschlich
verderblichem Feuer. Heut vor acht Tagen war Lili hier. Und in dieser Stunde
war ich in der grausamst feyerlichst
süsesten Lage meines ganzen Lebens mögt ich sagen.
O Gustgen warum kann
ich nichts davon sagen! Warum! Wie ich durch die glühendsten Trähnen der Liebe,
Mond und Welt schaute und mich alles seelenvoll umgab. Und in der Ferne die
Waldhorn, und der Hochzeitgäste laute Freuden. Gustgen auch seit dem Wetter bin
ich – nicht ruhig aber still – was bey mir still heisst und fürchte nur wieder
ein Gewitter das sich immer in den harmlosesten Tagen zusammenzieht, und – Gute
Nacht Engel. Einzigstes Einzigstes Mädgen – Und ich kenne ihrer Viele –
Dienstag, 8. Oktober 2013
»Auf alles, was ich
als Poet geleistet habe,« pflegte er wiederholt zu sagen, »bilde ich mir gar
nichts ein. Es haben treffliche Dichter mit mir gelebt, es lebten noch
trefflichere vor mir, und es werden ihrer nach mir sein. Daß ich aber in meinem
Jahrhundert in der schwierigen Wissenschaft der Farbenlehre der einzige bin,
der das Rechte weiß, darauf tue ich mir etwas zugute, und ich habe daher ein
Bewußtsein der Superiorität über viele.«
Man muß alt werden,
um dieses alles zu übersehen, und Geld genug haben, seine Erfahrungen bezahlen
zu können. Jedes Bonmot, das ich sage, kostet mir eine Börse voll Gold; eine
halbe Million meines Privatvermögens ist durch meine Hände gegangen, um das zu
lernen, was ich jetzt weiß, nicht allein das ganze Vermögen meines Vaters,
sondern auch mein Gehalt und mein bedeutendes literarisches Einkommen seit mehr
als funfzig Jahren. Außerdem habe ich anderthalb Millionen zu großen Zwecken
von fürstlichen Personen ausgeben sehen, denen ich nahe verbunden war und an
deren Schritten, Gelingen und Mißlingen ich teilnahm.
Es ist nicht genug, daß man Talent habe, es gehört mehr dazu, um gescheit zu werden; man muß auch in großen Verhältnissen leben und Gelegenheit haben, den spielenden Figuren der Zeit in die Karten zu sehen und selber zu Gewinn und Verlust mitzuspielen.
Es ist nicht genug, daß man Talent habe, es gehört mehr dazu, um gescheit zu werden; man muß auch in großen Verhältnissen leben und Gelegenheit haben, den spielenden Figuren der Zeit in die Karten zu sehen und selber zu Gewinn und Verlust mitzuspielen.
Zu wünschen wäre es, dass er an dem Platze,
woran er sich befunden, auch gewisse politische Fähigkeiten oder Eigenschaften
sich hätte aneignen können: aber diese sind, wie schon Bacon bemerkt hat,
Gemütern von eigenem reichen Vorrat selten eigen, indem sie anfänglich solche
zum Teil auch zu sehr verachten. So hat unser Weimar durch die ganz
vorzüglichen Geister, die es besessen, im Politischen nicht um ein Haar
gewonnen.
Dienstag, 1. Oktober 2013
Samstag, 14. September 2013
Dienstag, 10. September 2013
Und
so bleiben wir wegen der Zukunft unbekümmert! In unseres Vaters Reiche sind
viele Provinzen und, da er uns hierzulande ein so fröhliches Ansiedeln
bereitete, so wird drüben gewiss auch für beide gesorgt sein; vielleicht
gelingt alsdann, was uns bis jetzo abging, uns angesichtlich kennen zu lernen
und uns desto gründlicher zu lieben. Gedenken Sie mein in beruhigter Treue.
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