Freitag, 30. Januar 2026

 Was aber ist deine Pflicht? Die Forderung des Tages.

Dienstag, 27. Januar 2026

Wie kann man sich selbst kennen lernen? Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche, deine Pflicht zu tun, und du weisst gleich, was an dir ist.

Allein kann der Mensch nicht wohl bestehen, daher schlägt er sich gern zu einer Partei, weil er da, wenn auch nicht Ruhe, doch Beruhigung und Sicherheit findet. 

Sonntag, 25. Januar 2026

Freitag, 23. Januar 2026

 

Übrigens befinde ich mich ganz leidlich und nicht ganz untätig. Der ich in Erwartung eines bessern ein Gleiches wünsche.

 

Ich wünsche, daß Sie in Ihrer Unternehmung weiter gelangt sind.

 Leben Sie heiter und tätig.

 

Wohlsein und Stimmung!

Donnerstag, 15. Januar 2026


 

 

Goethe an Kleist

Ew. Hochwohlgebornen bin ich sehr dankbar für das übersendete Stück des Phöbus. Die prosaischen Aufsätze, wovon mir einige bekannt waren, haben mir viel Vergnügen gemacht. Mit der Penthesilea kann ich mich noch nicht befreunden. Sie ist aus einem so wunderbaren Geschlecht und bewegt sich in einer so fremden Region daß ich mir Zeit nehmen muß mich in beide zu finden. Auch erlauben Sie mir zu sagen (denn wenn man nicht aufrichtig sein sollte, so wäre es besser, man schwiege gar), daß es mich immer betrübt und bekümmert, wenn ich junge Männer von Geist und Talent sehe, die auf ein Theater warten, welches da kommen soll. Ein Jude der auf den Messias, ein Christ der aufs neue Jerusalem, und ein Portugiese der auf den Don Sebastian wartet, machen mir kein größeres Mißbehagen. Vor jedem Brettergerüste möchte ich dem wahrhaft theatralischen Genie sagen: hic Rhodus, hic salta! Auf jedem Jahrmarkt getraue ich mir, auf Bohlen über Fässer geschichtet, mit Calderons Stücken, mutatis mutandis, der gebildeten und ungebildeten Masse das höchste Vergnügen zu machen. Verzeihen Sie mir mein Geradezu: es zeugt von meinem aufrichtigen Wohlwollen. Dergleichen Dinge lassen sich freilich mit freundlichem Tournüren und gefälliger sagen. Ich bin jetzt schon zufrieden, wenn ich nur etwas vom Herzen habe. Nächstens mehr.

Goethe.

Weimar, den 1. Februar 1808

Samstag, 10. Januar 2026

 

An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeboren

letztere hier zurückkehrende Sendung hat mich wirklich betrübt, denn wen sollte es nicht schmerzen, daß ein hohler Tageswahn hier als Urtheil und zwar als ein von Kopf zu Fuß gewaffnetes, das Zeitalter bedrohendes Urtheil auftritt. Herr – Us scheint mir kaum derselbe, von dem so manche geistreiche und beyfallswürdige Recension in Ihren Blättern steht. Das Übel aber liegt freylich in der oberflächlichen Zeitbildung, da denn alle Urtheile nach und nach nur aus dem einzelnen Menschen und seiner augenblicklichen Stimmung hervorgehen.

Wer die Geschichte recht erkannt hat, dem wird aus tausend Beyspielen klar seyn, daß das Vergeistigen des Körperlichen, wie das Verkörperndes Geistigen nicht einen Augenblick geruht, sondern immer unter Propheten, Religiosen, Dichtern, Rednern, Künstlern und Kunstgenossen hin und her pulsirt hat; vor- und nachzeitig immer, gleichzeitig oft.

Und sollte man nicht, auf diesem höhern Standpunct, mit unsern paar Männern auch fertig werden? Man gebe einem jeden sein entschiedenes individuelles Talent mit Wohlwollen zu, man charakterisire es mit Einsicht und Schärfe und zeige hinterdrein den Gebrauch und Mißbrauch desselben, sowohl an den Originalgeistern, als an den Nachahmern, und so wird man das Capitel sehr in die Enge bringen. Wie wollte man denn sonst eine Dogmen- und Literargeschichte schreiben. Anstatt aber auf dem wirklich hohen Standpunct unserer Zeit der Nachwelt vorzugreifen, die Sache abzuthun und der Mitwelt nützlich zu seyn, so verwirrt sich der Fühlende, Denkende, Urtheilende mit in der Tagesmenge und hilft den Staub erregen, den er löschen sollte.

Dem Übel ist indessen nicht zu steuern. Halten Ew. Wohlgeb. so lang als möglich dergleichen Einflüsse von Ihrer Zeitschrift ab; freylich wird es schwer seyn, weil soviel junge, thätige, vorzügliche Männer an dieser Krankheit leiden, und vielleicht erst in zehen Jahren das Thörige und Unglückliche davon einsehen lernen.

Verzeihen und secretiren Ew. Wohlgeb. diese meine vielleicht hypochondrischen Äußerungen, ich wollte aber Ihr geneigtes Zutrauen, wenigstens mit augenblicklicher Aufrichtigkeit, dankbar erwidern.

ergebenst

Weimar den 10. März 1815.

Goethe.

Dienstag, 6. Januar 2026

Montag, 5. Januar 2026

Der Menschenverstand wird mit dem gesunden Menschen rein geboren, entwickelt sich aus sich selbst und offenbart sich durch ein entschiedenes Gewahrwerden und Anerkennen des Notwendigen und Nützlichen. Praktische Männer und Frauen bedienen sich dessen mit Sicherheit. Wo er mangelt, halten beide Geschlechter, was sie begehren, für notwendig und für nützlich, was ihnen gefällt.     

Samstag, 3. Januar 2026

Die Vorurteile der Menschen beruhen auf dem jedesmaligen Charakter der Menschen, daher sind sie, mit dem Zustand innig vereinigt, ganz unüberwindlich; weder Evidenz noch Verstand noch Vernunft haben den mindesten Einfluss darauf.  

Die Wahrheit widerspricht unserer Natur, der Irrtum nicht, und zwar aus einem sehr einfachen Grunde: die Wahrheit fordert, dass wir uns für beschränkt erkennen sollen, der Irrtum schmeichelt uns, wir seien auf die eine oder andere Weise unbegrenzt.  

Es ist immer dieselbe Welt, die der Betrachtung offen steht, die immerfort angeschaut oder geahnet wird, und es sind immer dieselben Menschen, die im Wahren oder Falschen leben, im letzten bequemer als im ersten.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Alles, was wir treiben und tun, ist ein Abmüden; wohl dem, der nicht müde wird!