Donnerstag, 19. März 2026

Donnerstag, 26. Februar 2026

 

Das verwünschte Gebettel! Es haben die vorderen Kutschen
Reichlich für uns mit bezahlt. Geben nichts. Kutscher, fahr zu.

Mittwoch, 11. Februar 2026

 

Nachmittags von 4 bis 5 Uhr weilte ich bei Goethen. Ein Frankfurter, Herr Fellner, wurde angemeldet und abgeschlagen. »Man muß den Leuten abgewöhnen, einen unangemeldet zu überfallen, man bekommt doch immer andere fremde Gedanken durch solche Besuche, muß sich in ihre Zustände hineindenken. Ich will keine fremden Gedanken, ich habe an meinen eigenen genug, kann mit diesen nicht fertig werden.«


 

Lasset Gelehrte sich zanken und streiten,
Streng und bedächtig die Lehrer auch sein!
Alle die Weisesten aller der Zeiten
Lächeln und winken und stimmen mit ein:
Thöricht auf Beßrung der Thoren zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
Eben zum Narren auch, wie sich's gehört!



 

Montag, 9. Februar 2026

 

Eckermann trat ein, das Gespräch kam auf Byron's Conversations. »Ich lese sie nun zum zweiten Male, ich möchte sie nicht missen und doch lassen sie einen peniblen Eindruck zurück. Wie viel Geklatsche oft nur um eine elende Kleinigkeit; welche Empfindlichkeit über jedes alberne Urtheil der Journalisten, welch' ein wüstes Leben mit Hunden, Affen, Pfauen, Pferden; alles ohne Folge und Zusammenhang. Nur über Anschauungen urtheilt Byron vortrefflich und klar, Reflexion ist nicht seine Sache, seine Urtheile und Combinationen sind dann oft die eines Kindes. Wie viel zu geduldig läßt er sich Plagiate vorwerfen, scharmutzirt nur zu seiner Vertheidigung, statt mit schwerem Geschütz die Gegner niederzudonnern.

 

Ja, die Geschichte läßt ganz wundersame Phänomene hervortreten, je nachdem man sie aus einem bestimmten Kreispunkte betrachtet. Und doch kann eigentlich Niemand aus der Geschichte etwas lernen, denn sie enthält ja nur eine Masse von Thorheiten und Schlechtigkeiten.

Freitag, 6. Februar 2026


 

 

Er war im schönsten Zuge, allgemeine Ansichten und Betrachtungen aus der innern Fülle seines Geistes hervorströmen zu lassen, und dabei höchst mild und treuherzig.

 

Am 30. Oktober 1808 beklagte sich Goethe in einem Brief an Zelter: „Die Kunstwelt liegt freilich zu sehr im Argen, als dass ein junger Mensch so leicht gewahr werden sollte, worauf es ankommt. Sie suchen es immer wo anders als da, wo es entspringt, und wenn sie die Quelle einmal erblicken, so können sie den Weg dazu nicht finden. Deswegen bringen mich auch ein halb Dutzend jüngere poetische Talente zur Verzweiflung, die bei außerordentlichen Naturanlagen schwerlich viel machen werden, was mich erfreuen kann. Werner, Oehlenschläger, Arnim, Brentano und andere treibens immerfort; aber alles geht durchaus ins Form- und Charakterlose. Kein Mensch will begreifen, dass die höchste und einzige Operation der Natur und Kunst die Gestaltung sei, und in der Gestaltung die Spezifikation, damit jedes ein besonderes Bedeutendes werde, sei und bleibe.“

Montag, 2. Februar 2026

 

Der Kampf des Alten, Bestehenden, Beharrenden mit Entwicklung, Aus- und Umbildung ist immer derselbe. Aus aller Ordnung entsteht zuletzt Pedanterie; um diese los zu werden, zerstört man jene, und es geht eine Zeit hin, bis man gewahr wird, daß man wieder Ordnung machen müsse.


 

 

Innungszwang und Gewerbsfreiheit, Festhalten und Zersplittern des Grundbodens, es ist immer derselbe Konflikt, der zuletzt wieder einen neuen erzeugt. Der größte Verstand des Regierenden wäre daher, diesen Kampf so zu mäßigen, daß er ohne Untergang der einen Seite sich ins Gleiche stellte; dies ist aber den Menschen nicht gegeben, und Gott scheint es auch nicht zu wollen.

Freitag, 30. Januar 2026

 Was aber ist deine Pflicht? Die Forderung des Tages.

Dienstag, 27. Januar 2026

Wie kann man sich selbst kennen lernen? Durch Betrachten niemals, wohl aber durch Handeln. Versuche, deine Pflicht zu tun, und du weisst gleich, was an dir ist.

Allein kann der Mensch nicht wohl bestehen, daher schlägt er sich gern zu einer Partei, weil er da, wenn auch nicht Ruhe, doch Beruhigung und Sicherheit findet. 

Sonntag, 25. Januar 2026

Freitag, 23. Januar 2026

 

Übrigens befinde ich mich ganz leidlich und nicht ganz untätig. Der ich in Erwartung eines bessern ein Gleiches wünsche.

 

Ich wünsche, daß Sie in Ihrer Unternehmung weiter gelangt sind.

 Leben Sie heiter und tätig.

 

Wohlsein und Stimmung!

Donnerstag, 15. Januar 2026


 

 

Goethe an Kleist

Ew. Hochwohlgebornen bin ich sehr dankbar für das übersendete Stück des Phöbus. Die prosaischen Aufsätze, wovon mir einige bekannt waren, haben mir viel Vergnügen gemacht. Mit der Penthesilea kann ich mich noch nicht befreunden. Sie ist aus einem so wunderbaren Geschlecht und bewegt sich in einer so fremden Region daß ich mir Zeit nehmen muß mich in beide zu finden. Auch erlauben Sie mir zu sagen (denn wenn man nicht aufrichtig sein sollte, so wäre es besser, man schwiege gar), daß es mich immer betrübt und bekümmert, wenn ich junge Männer von Geist und Talent sehe, die auf ein Theater warten, welches da kommen soll. Ein Jude der auf den Messias, ein Christ der aufs neue Jerusalem, und ein Portugiese der auf den Don Sebastian wartet, machen mir kein größeres Mißbehagen. Vor jedem Brettergerüste möchte ich dem wahrhaft theatralischen Genie sagen: hic Rhodus, hic salta! Auf jedem Jahrmarkt getraue ich mir, auf Bohlen über Fässer geschichtet, mit Calderons Stücken, mutatis mutandis, der gebildeten und ungebildeten Masse das höchste Vergnügen zu machen. Verzeihen Sie mir mein Geradezu: es zeugt von meinem aufrichtigen Wohlwollen. Dergleichen Dinge lassen sich freilich mit freundlichem Tournüren und gefälliger sagen. Ich bin jetzt schon zufrieden, wenn ich nur etwas vom Herzen habe. Nächstens mehr.

Goethe.

Weimar, den 1. Februar 1808

Samstag, 10. Januar 2026

 

An Heinrich Carl Abraham Eichstädt

Ew. Wohlgeboren

letztere hier zurückkehrende Sendung hat mich wirklich betrübt, denn wen sollte es nicht schmerzen, daß ein hohler Tageswahn hier als Urtheil und zwar als ein von Kopf zu Fuß gewaffnetes, das Zeitalter bedrohendes Urtheil auftritt. Herr – Us scheint mir kaum derselbe, von dem so manche geistreiche und beyfallswürdige Recension in Ihren Blättern steht. Das Übel aber liegt freylich in der oberflächlichen Zeitbildung, da denn alle Urtheile nach und nach nur aus dem einzelnen Menschen und seiner augenblicklichen Stimmung hervorgehen.

Wer die Geschichte recht erkannt hat, dem wird aus tausend Beyspielen klar seyn, daß das Vergeistigen des Körperlichen, wie das Verkörperndes Geistigen nicht einen Augenblick geruht, sondern immer unter Propheten, Religiosen, Dichtern, Rednern, Künstlern und Kunstgenossen hin und her pulsirt hat; vor- und nachzeitig immer, gleichzeitig oft.

Und sollte man nicht, auf diesem höhern Standpunct, mit unsern paar Männern auch fertig werden? Man gebe einem jeden sein entschiedenes individuelles Talent mit Wohlwollen zu, man charakterisire es mit Einsicht und Schärfe und zeige hinterdrein den Gebrauch und Mißbrauch desselben, sowohl an den Originalgeistern, als an den Nachahmern, und so wird man das Capitel sehr in die Enge bringen. Wie wollte man denn sonst eine Dogmen- und Literargeschichte schreiben. Anstatt aber auf dem wirklich hohen Standpunct unserer Zeit der Nachwelt vorzugreifen, die Sache abzuthun und der Mitwelt nützlich zu seyn, so verwirrt sich der Fühlende, Denkende, Urtheilende mit in der Tagesmenge und hilft den Staub erregen, den er löschen sollte.

Dem Übel ist indessen nicht zu steuern. Halten Ew. Wohlgeb. so lang als möglich dergleichen Einflüsse von Ihrer Zeitschrift ab; freylich wird es schwer seyn, weil soviel junge, thätige, vorzügliche Männer an dieser Krankheit leiden, und vielleicht erst in zehen Jahren das Thörige und Unglückliche davon einsehen lernen.

Verzeihen und secretiren Ew. Wohlgeb. diese meine vielleicht hypochondrischen Äußerungen, ich wollte aber Ihr geneigtes Zutrauen, wenigstens mit augenblicklicher Aufrichtigkeit, dankbar erwidern.

ergebenst

Weimar den 10. März 1815.

Goethe.

Dienstag, 6. Januar 2026

Montag, 5. Januar 2026

Der Menschenverstand wird mit dem gesunden Menschen rein geboren, entwickelt sich aus sich selbst und offenbart sich durch ein entschiedenes Gewahrwerden und Anerkennen des Notwendigen und Nützlichen. Praktische Männer und Frauen bedienen sich dessen mit Sicherheit. Wo er mangelt, halten beide Geschlechter, was sie begehren, für notwendig und für nützlich, was ihnen gefällt.     

Samstag, 3. Januar 2026

Die Vorurteile der Menschen beruhen auf dem jedesmaligen Charakter der Menschen, daher sind sie, mit dem Zustand innig vereinigt, ganz unüberwindlich; weder Evidenz noch Verstand noch Vernunft haben den mindesten Einfluss darauf.  

Die Wahrheit widerspricht unserer Natur, der Irrtum nicht, und zwar aus einem sehr einfachen Grunde: die Wahrheit fordert, dass wir uns für beschränkt erkennen sollen, der Irrtum schmeichelt uns, wir seien auf die eine oder andere Weise unbegrenzt.  

Es ist immer dieselbe Welt, die der Betrachtung offen steht, die immerfort angeschaut oder geahnet wird, und es sind immer dieselben Menschen, die im Wahren oder Falschen leben, im letzten bequemer als im ersten.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Alles, was wir treiben und tun, ist ein Abmüden; wohl dem, der nicht müde wird!