Donnerstag, 30. April 2026
Sonntag, 26. April 2026
Sie
wissen, ich bekümmere mich im Ganzen wenig um das, was über mich geschrieben
wird, aber es kommt mir doch zu Ohren, und ich weiß recht gut, dass, so sauer
ich es mir auch mein lebelang habe werden lassen, all mein Wirken in den Augen
gewisser Leute für nichts geachtet wird, eben weil ich verschmäht habe, mich in
politische Parteiungen zu mengen. Um diesen Leuten recht zu sein, hätte ich
müssen Mitglied eines Jakobinerklubs werden und Mord und Blutvergießen
predigen! – Doch kein Wort mehr über diesen schlechten Gegenstand, damit ich
nicht unvernünftig werde, indem ich das Unvernünftige bekämpfe.
Donnerstag, 23. April 2026
Montag, 20. April 2026
Freitag, 17. April 2026
Freitag, 10. April 2026
Heidelberg, den 11. Mai 1811.
Dein Glück bei Goethe, so
preislich Du es auch in den brillantesten Zügen herausstreichst, kömmt mir
nicht unerwartet, Du weißt, wie ich in Hinsicht der äußeren Verträglichkeit
über den alten Herrn denke; doch gefalle Dir nur nicht zu sehr in der vornehm
gelehrten Rolle, die Du angenommen hast, und bedenke, wie in allen menschlichen
Dingen, das Ende. Wenn Du nur Schwarz auf Weiß Dir herausreden kannst, erst
dann will ich Dich nach allen Kräften rühmen und preisen. Seit das Kantische
Prinzip der Zweckmäßigkeit ohne Zweck wieder aus der Mode gekommen, finde ich
das rein ästhetische Wohlgefallen überall in diesem interessierten Zeitalter
malplaciert, und denke im Gegensatz des Evangeliums: gebt uns nur erst alles
Andere, das Himmelreich wollen wir schon selbst zu finden trachten. Indessen
ist es denn doch kein kleiner Triumph für den Ernst und die Redlichkeit Deines
Strebens, mit einem so hoch berühmten und mit Recht verehrten Mann, um dessen
Beifall gewichtigere Männer wie Du, vergebens in Kunst und Wissenschaft sich
bemüht haben, auf diesem Punkte geistiger Vertraulichkeit und Gemeinschaft zu
stehen. Auch möchte ich Dich heimlich belauschen, Du warst gewiß innerlich so
gepudert, mit Stern und Ordensband geziert und schimmerst so sehr in fremdem
und eigenem Lichte, daß Du in der Dunkelheit Deines Wirthsstübchens ganz
transparent erscheinen mußt. Wenn uns einmal etwas in der Welt gelingen sollte,
liebes Kind, ohne Mühe und Anstrengung, in Lust und Freude haben wir es nicht
errungen, unter drückenden bürgerlichen und häuslichen Verhältnissen, im
Widerstreit gegen langjähriges Vorurtheil, gegen Apathie und Unempfänglichkeit
für das Höhere, von Leiden und Trübsalen aller Art bedrängt, haben wir unsern
Weg im Stillen fortgesetzt, ohne andere Aufmunterung und Unterstützung, als die
des innern besseren Bewußtseyns, und des treuen beharrlichen Sinnes, der durch
den Nebel der Zeiten wohl getrübt, aber nicht erstickt und vernichtet werden
kann. Wie denk' ich mit freudiger Erhebung zurück an die ersten Zeiten unserer
Bekanntschaft, die stillen, bescheidenen Anfänge Deiner Studien, wie oft habe
ich in zweifelndem Gemüthe mit Ernst und Fleiß erwogen, ob mir Pflicht und
Liebe es geböten, Dich dem Wirkungskreis zu entreißen, in dem Dich Deine ganze
Umgebung zurückzuhalten strebte; und was konnte ich Dir bieten zum Ersatz für
die Aufopferungen aller Art, zu denen Du Dich entschließen mußtest? ein fernes
dunkles Ziel, das nur nach langen mühseligen Anstrengungen und Kämpfen zu
erringen ist, während Du für die Gegenwart allem entsagen solltest, was in der
Jugend Blüthe und Kraft als des Lebens höchster Reiz gepriesen wird.
Wenn nun der hochberühmte Mann der Zeit Deinem Unternehmen freundlich Beifall
zunickte, wenn die Menge Deine Arbeiten bewundernd angafft, und der Ruf Deinen
Namen dem Vaterlande von der Fremde ehrenvoll zurückträgt, so denke an jene
einsamen Spaziergänge auf St.Severins und St.Gereons Wall, wo Ehrfurcht
gebietend in den Resten alter Herrlichkeit, die Vaterstadt so still und
schweigend vor uns lag, in deren öden Mauern ein in langjähriger Erschlaffung
entartetes und nun durch den Druck der Zeiten vollends niedergebeugtes
Geschlecht, uns auch nicht ein Wesen darbot, das an dem Zwecke unseres Strebens
mit Liebe Theil genommen hätte. Darum freue Dich des Gelingens Deiner Pläne und
gehe dem Ziele, das Du Dir vorgesteckt, mit freiem Muth entgegen.
Wer des reinen guten Willens vor Gott und den Menschen sich bewußt ist, den
darf das widerstrebende Drängen und Treiben der Zeit so leicht nicht irre
machen; wer dem Dienste des Höchsten sein Denken und Thun geweiht hat, dem wird
die Weisheit nicht fehlen, die allein wahren Werth und Bestand hat, und auch
die Klugheit nicht, die den Geist der Welt zähmen und bezwingen kann.
Ich falle, wie Du siehst, auf einen ernsthaften Text, Zeit und Umstände haben
mir ihn aber auch jetzt so nahe gelegt, wo Du im Begriffe stehst, die Resultate
Deines Strebens der Welt öffentlich darzulegen, und wo mir die momentane Stille
einsamer Zurückgezogenheit zum Nachdenken über Alles was unser gemeinsames Interesse
berührt, so mancherlei Veranlassung gibt.
(Bertram an Sulpiz Boisserée)
Berlin, den 31. März 1832.
Erst heute, verehrtester Mann, kann ich Ihnen für die freundschaftlichste Theilnahme danken, von welcher Art auch die Gelegenheit diesmal seyn mag.
Was zu erwarten, zu fürchten war, mußte ja kommen. Die Stunde hat geschlagen.
Der Weiser steht wie die Sonne zu Gibeon, denn siehe auf seinen Rücken
hingestreckt liegt der Mann, der auf Säulen des Hercules das Universum
beschritt, wenn unter ihm die Mächte der Erde um den Staub eiferten unter ihren
Füßen.
Was kann ich von mir sagen? zu Ihnen? zu allen dort? und überall? – Wie Er
dahinging vor mir, so rück' ich Ihm nun täglich näher und werd' ihn einholen,
den holden Frieden zu verewigen, der so viel Jahre nach einander den Raum von
sechsunddreyßig Meilen zwischen uns erheitert und belebt hat.
Nun hab' ich die Bitte: hören Sie nicht auf, mich Ihrer freundschaftlichen
Mittheilungen zu würdigen. Sie werden ermessen, was ich wissen darf, da Ihnen
das niemals gestörte Verhältnis zweyer, im Wesen stets einigen, wenn auch dem
Inhalte nach weit von einander entfernten Vertrauten bekannt ist. Ich bin wie
eine Wittwe, die ihren Mann verliert, ihren Herrn und Versorger! Und doch darf
ich nicht trauern; ich muß erstaunen über den Reichthum, den er mir zugebracht
hat. Solchen Schatz hab' ich zu bewahren und mir die Zinsen zu Capital zu
machen.
Verzeihen Sie, edler Freund! ich soll ja nicht klagen, und doch wollen die
alten Augen nicht gehorchen und Stich halten. Ihn aber habe ich auch einmal
weinen sehn, das muß mich rechtfertigen.
Zelter.
(Karl Friedrich Zelter an Kanzler von Müller)
Mittwoch, 25. März 2026
Sonntag, 22. März 2026
Donnerstag, 19. März 2026
Samstag, 14. März 2026
Wir treten also
weder der Urkraft der Natur, noch der Weisheit und Macht eines Schöpfers zu
nahe, wenn wir annehmen: daß diese mittelbar zu Werke gehe, jener mittelbar im
Anfang der Dinge zu Werke gegangen sei. Ist es nicht dieser großen Kraft
anständig, daß sie das Einfache einfach, das Zusammengesetzte zusammengesetzt
hervorbringe? Treten wir ihrer Macht zu nahe, wenn wir behaupten, sie habe ohne
Wasser keine Fische, ohne Luft keine Vögel, ohne Erde keine übrigen Tiere
hervorbringen können, so wenig als sich die Geschöpfe ohne die Bedingung dieser
Elemente existierend denken lassen.
Dienstag, 3. März 2026
Da im Wissen
sowohl als in der Reflexion kein Ganzes zusammengebracht werden kann, weil
jenem das Innre, dieser das Äußere fehlt, so müssen wir uns die Wissenschaft
notwendig als Kunst denken, wenn wir von ihr irgend eine Art von Ganzheit
erwarten. Und zwar haben wir diese nicht im Allgemeinen, im Überschwänglichen
zu suchen, sondern, wie die Kunst sich immer ganz in jedem einzelnen Kunstwerk
darstellt, so sollte die Wissenschaft sich auch jedesmal ganz in jedem
einzelnen Behandelten erweisen.
Donnerstag, 26. Februar 2026
Mittwoch, 11. Februar 2026
Nachmittags von 4
bis 5 Uhr weilte ich bei Goethen. Ein Frankfurter, Herr Fellner, wurde
angemeldet und abgeschlagen. »Man muß den Leuten abgewöhnen, einen unangemeldet
zu überfallen, man bekommt doch immer andere fremde Gedanken durch solche
Besuche, muß sich in ihre Zustände hineindenken. Ich will keine fremden
Gedanken, ich habe an meinen eigenen genug, kann mit diesen nicht fertig
werden.«
Montag, 9. Februar 2026
Eckermann trat
ein, das Gespräch kam auf Byron's Conversations. »Ich lese sie nun zum zweiten
Male, ich möchte sie nicht missen und doch lassen sie einen peniblen Eindruck
zurück. Wie viel Geklatsche oft nur um eine elende Kleinigkeit; welche
Empfindlichkeit über jedes alberne Urtheil der Journalisten, welch' ein wüstes
Leben mit Hunden, Affen, Pfauen, Pferden; alles ohne Folge und Zusammenhang. Nur
über Anschauungen urtheilt Byron vortrefflich und klar, Reflexion ist nicht
seine Sache, seine Urtheile und Combinationen sind dann oft die eines Kindes. Wie
viel zu geduldig läßt er sich Plagiate vorwerfen, scharmutzirt nur zu seiner
Vertheidigung, statt mit schwerem Geschütz die Gegner niederzudonnern.
Freitag, 6. Februar 2026
Am 30. Oktober
1808 beklagte sich Goethe in einem Brief an Zelter: „Die Kunstwelt liegt
freilich zu sehr im Argen, als dass ein junger Mensch so leicht gewahr werden
sollte, worauf es ankommt. Sie suchen es immer wo anders als da, wo es
entspringt, und wenn sie die Quelle einmal erblicken, so können sie den Weg
dazu nicht finden. Deswegen bringen mich auch ein halb Dutzend jüngere
poetische Talente zur Verzweiflung, die bei außerordentlichen Naturanlagen
schwerlich viel machen werden, was mich erfreuen kann. Werner, Oehlenschläger,
Arnim, Brentano und andere treibens immerfort; aber alles geht durchaus ins
Form- und Charakterlose. Kein Mensch will begreifen, dass die höchste und
einzige Operation der Natur und Kunst die Gestaltung sei, und in der Gestaltung
die Spezifikation, damit jedes ein besonderes Bedeutendes werde, sei und
bleibe.“
Montag, 2. Februar 2026
Innungszwang und Gewerbsfreiheit, Festhalten und
Zersplittern des Grundbodens, es ist immer derselbe Konflikt, der zuletzt
wieder einen neuen erzeugt. Der größte Verstand des Regierenden wäre daher,
diesen Kampf so zu mäßigen, daß er ohne Untergang der einen Seite sich ins
Gleiche stellte; dies ist aber den Menschen nicht gegeben, und Gott scheint es
auch nicht zu wollen.
Dienstag, 27. Januar 2026
Sonntag, 25. Januar 2026
Freitag, 23. Januar 2026
Donnerstag, 15. Januar 2026
Goethe an Kleist
Ew.
Hochwohlgebornen bin ich sehr dankbar für das übersendete Stück des Phöbus. Die
prosaischen Aufsätze, wovon mir einige bekannt waren, haben mir viel Vergnügen
gemacht. Mit der Penthesilea kann ich mich noch nicht befreunden. Sie ist aus
einem so wunderbaren Geschlecht und bewegt sich in einer so fremden Region daß
ich mir Zeit nehmen muß mich in beide zu finden. Auch erlauben Sie mir zu sagen
(denn wenn man nicht aufrichtig sein sollte, so wäre es besser, man schwiege
gar), daß es mich immer betrübt und bekümmert, wenn ich junge Männer von Geist
und Talent sehe, die auf ein Theater warten, welches da kommen soll. Ein Jude
der auf den Messias, ein Christ der aufs neue Jerusalem, und ein Portugiese der
auf den Don Sebastian wartet, machen mir kein größeres Mißbehagen. Vor jedem
Brettergerüste möchte ich dem wahrhaft theatralischen Genie sagen: hic Rhodus,
hic salta! Auf jedem Jahrmarkt getraue ich mir, auf Bohlen über Fässer
geschichtet, mit Calderons Stücken, mutatis mutandis, der gebildeten und ungebildeten
Masse das höchste Vergnügen zu machen. Verzeihen Sie mir mein Geradezu: es
zeugt von meinem aufrichtigen Wohlwollen. Dergleichen Dinge lassen sich
freilich mit freundlichem Tournüren und gefälliger sagen. Ich bin jetzt schon
zufrieden, wenn ich nur etwas vom Herzen habe. Nächstens mehr.
Goethe.
Weimar,
den 1. Februar 1808
Samstag, 10. Januar 2026
An Heinrich Carl Abraham Eichstädt
Ew. Wohlgeboren
letztere hier zurückkehrende Sendung hat mich wirklich
betrübt, denn wen sollte es nicht schmerzen, daß ein
hohler Tageswahn hier als Urtheil und zwar als ein von Kopf zu Fuß
gewaffnetes, das Zeitalter bedrohendes Urtheil auftritt. Herr – Us scheint mir
kaum derselbe, von dem so manche geistreiche und beyfallswürdige Recension in
Ihren Blättern steht. Das Übel aber liegt freylich in der oberflächlichen
Zeitbildung, da denn alle Urtheile nach und nach nur aus dem einzelnen Menschen
und seiner augenblicklichen Stimmung hervorgehen.
Wer die Geschichte recht erkannt hat, dem wird aus
tausend Beyspielen klar seyn, daß das Vergeistigen des Körperlichen, wie das
Verkörperndes Geistigen nicht einen Augenblick geruht, sondern immer unter
Propheten, Religiosen, Dichtern, Rednern, Künstlern und Kunstgenossen hin und
her pulsirt hat; vor- und nachzeitig immer, gleichzeitig oft.
Und sollte man nicht, auf diesem höhern Standpunct,
mit unsern paar Männern auch fertig werden? Man gebe einem jeden sein
entschiedenes individuelles Talent mit Wohlwollen zu, man charakterisire es mit
Einsicht und Schärfe und zeige hinterdrein den Gebrauch und Mißbrauch
desselben, sowohl an den Originalgeistern, als an den Nachahmern, und so wird
man das Capitel sehr in die Enge bringen. Wie wollte man denn sonst eine
Dogmen- und Literargeschichte schreiben. Anstatt aber auf dem wirklich hohen
Standpunct unserer Zeit der Nachwelt vorzugreifen, die Sache abzuthun und der
Mitwelt nützlich zu seyn, so verwirrt sich der Fühlende, Denkende, Urtheilende
mit in der Tagesmenge und hilft den Staub erregen, den er löschen sollte.
Dem Übel ist indessen nicht zu steuern. Halten Ew.
Wohlgeb. so lang als möglich dergleichen Einflüsse von Ihrer Zeitschrift ab;
freylich wird es schwer seyn, weil soviel junge, thätige, vorzügliche Männer an
dieser Krankheit leiden, und vielleicht erst in zehen Jahren das Thörige und
Unglückliche davon einsehen lernen.
Verzeihen und secretiren Ew. Wohlgeb. diese meine
vielleicht hypochondrischen Äußerungen, ich wollte aber Ihr geneigtes Zutrauen, wenigstens mit
augenblicklicher Aufrichtigkeit, dankbar erwidern.
ergebenst
Weimar den 10. März 1815.
Goethe.
Dienstag, 6. Januar 2026
Montag, 5. Januar 2026
Der Menschenverstand wird mit dem gesunden Menschen rein geboren, entwickelt sich aus sich selbst und offenbart sich durch ein entschiedenes Gewahrwerden und Anerkennen des Notwendigen und Nützlichen. Praktische Männer und Frauen bedienen sich dessen mit Sicherheit. Wo er mangelt, halten beide Geschlechter, was sie begehren, für notwendig und für nützlich, was ihnen gefällt.









